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Ich schreibe mit dem Blick aus dem Fenster.

Mir direkt gegenüber stehen zwei klassizistische Häuser.

Ihre Fassaden und ihre Bewohner gewähren meinem Blick auf der Suche nach Wörtern und Gedanken Abwechslung.

Der Maler Alexej Jawlensky (1864-1941) malte des öfteren den Blick aus seinem Atelierfenster.

Ein immergleicher und doch immer anderer Blick.

Sein Tun hat mich zu diesem Experiment angestiftet.

Das Experiment begann am 2. September 2000 und endete am 1. September 2001.
Rückblickend betrachtet wurde es ein Wortgemälde und ein Stück fraktale Literatur.

Am 1. September 2001 schrieb ich folgendes:

Ein Jahr rundet sich, und so begann es: "Ein Septembertag so wechselhaft, als wäre es April." Heute könntest du schreiben, "und das Wetter gleicht sich", doch es ist eher Novemberstimmung, zumindest der Himmel gibt sich so, nur das Licht widerscheint der Stimmung, es ist heller. Du könntest auch schreiben, "und das Gegenüber gleicht sich", es wäre treffender, ist es doch noch dasselbe wie vor einem Jahr und doch nicht mehr dasselbe. Es hat sich verändert, verändert durch meine Beobachtung. Wir kennen dies aus der Quantenphysik. Wir kennen es kaum im newtonschen Raum, weil wir nicht glauben wollen, dass wir allein durch unsere Betrachtung die Welt verändern können. Und doch tun wir es, wir sollten also hinsehen und lernen hinzusehen.

Darum wird dieses Experiment weitergehen, du wirst deine Betrachtungen nicht fortsetzen, doch du hast hingesehen und deine Welt, die dir direkt gegenüberstand, durch deine Worte und Gedanken verformt. Und es gibt andere, die Leser, die auf deine Worte blicken und mit ihrem Blick das Gewortete ihrerseits bebildern und verformen. Es sind nicht die Vorstellungen, die das Betrachtete verändern - Vorstellung verwandelt nichts, sondern bewahrt -, es ist vielmehr der Augenblick der Wahrnehmung, der schöpferisch und somit gestaltend ist. – Das Experiment endet also, damit es seine Fortsetzung findet.

Und somit lade ich Sie ein, dieses Experiment fortzusetzen, klicken Sie sich durch das Jahr meiner Beobachtung und malen Sie sich Ihr eigenes Bild von meinem Gegenüber.